Inhalt

Projekt: URMEL-ICE, Jahr: 2010

Projekttitel

URMEL-ICE

Setting

Schulen / Bildung

Zielgruppe

Kinder

Ort/Land

Ulm, (BW)

Jahr

2010

Projektträger

Universität Ulm, Studiengruppe URMEL-ICE

→ Link zum Projekt Projektleitung

Prof. Dr. Jürgen M. Steinacker
+49 (0)731 500 453 00

→ urmel-ice@uni-ulm.de
Projektleiter Prof. Dr. Jürgen M. Steinacker Projektlogo "Urmel-Ice"
Kinder im Schulzimmer in der Standwaage Zeichnung Drache auf Skateboard

URMEL-ICE

Schulbasierte Adipositasprävention bei Grundschulkindern (Ulm Research on Metabolism, Exercise and Lifestyle Intervention in Children)

URMEL-ICE ist ein schulbasiertes Projekt zur Prävention von Übergewicht bei Grundschülern, entwickelt von einer interdisziplinären Studiengruppe der Universität Ulm. Inhaltliche Ziele sind die Steigerung der Alltagsbewegung, die Reduktion des Konsums zuckerhaltiger Getränke und die Verringerung von übermäßigem Medienkonsum. Die Intervention wird vom jeweiligen Klassenlehrer im Rahmen des regulären Schulunterrichtes durchgeführt. Sie zeigt positive Handlungsalternativen, macht diese erfahrbar und umfasst thematische Unterrichtseinheiten, tägliche Bewegungspausen während der Schulstunden und Materialien für die Elternarbeit (Familien-Hausaufgaben, Vorlagen für Elternbriefe und -abende).

„Die URMEL-ICE-Intervention erzielte mit positiven Effekten auf die Körperzusammensetzung der Kinder einen nachweisbaren Nutzen.“
Ausgangslage

Was hat Sie bewogen, dieses Angebot in Ulm zu schaffen? Auf welcher Ausgangsituation basiert Ihr Projekt?

Susanne Brandstetter: Steigendes Übergewicht und Adipositas bei Kindern hat sich in den meisten industriellen Ländern zu einem ernstzunehmenden Problem entwickelt. Die Gründe dafür sind multimodal: Einerseits gibt es genetische Einflüsse, anderseits bestimmen auch die Lebensumstände der Kinder ihr Gewicht. Zuwenig Bewegung, falsche Ernährung und das ­viele Sitzen, vor allem vor Fernseher und Computer, zählen dabei zu den wichtigsten Faktoren die das Gewicht und die Gesundheit negativ beeinflussen. Die Schule erschien uns ein günstiger Rahmen um Kinder für Präventionsmaßnahmen zu erreichen, denn immerhin verbringen sie den Großteil ihres Tagesablaufs in diesem Umfeld.

Ziele

Welche Ziele möchten Sie mit diesem schulbasierten Programm erreichen?

Susanne Brandstetter: Inhaltliche Ziele sind die Steigerung der Alltagsbewegung, die Reduktion des Konsums zuckerhaltiger Getränke und die Verringerung von übermäßigem Medienkonsum bei Grundschülern. Um diese Punkte nachhaltig zu verankern, arbeiten wir auf zwei Ebenen: Zum Einen durch eine langfristige Verhaltensänderung der Schüler, durch Einbezug der Familien und Veränderungen in der Schulumwelt, zum Anderen durch eine nachhaltige positive Veränderung des Unterrichts. Indem die Entwicklung der Intervention mit einem Lehrbeirat und unter Berücksichtigung der Lehrpläne möglichst praxisorientiert erfolgte, konnten wir eine hohe Einsatzhäufigkeit und eine gute Akzeptanz durch die Lehrkräfte erreichen.

Methoden

Was unterscheidet URMEL-ICE von anderen Präventionsprojekten für Grundschüler?

Susanne Brandstetter: Das Besondere am Ansatz von URMEL-ICE ist, dass die Lehrer die zentrale Rolle einnehmen und die Intervention selbstständig in ihrer Klasse im täglichen ­Unterricht durchführen können. Es sind keine externen Personen nötig. Nur durch den engen Einbezug der Lehrer/innen sind die wichtigsten Prämissen effektiver Gesundheits­förderung erfüllbar: die kindgerechte Umsetzung, die kontinuierliche Integration in den täglichen Unterricht und der Transfer in den Alltag der Schüler.

Finanzierung

Wie wurde die wissenschaftliche Arbeit finanziert?
Wie bewerten Sie die Kosten-Nutzen-Relation in der praktischen Umsetzung?

Susanne Brandstetter: Die Arbeit der Studiengruppe URMEL-ICE wurde durch das Forschungsprogramm «Sport-Bewegung-Prävention» der Landesstiftung Baden-Württemberg finanziert. Die Kosten der Intervention sind nur sehr gering. Sie kommt ohne zusätzlichen Personal- und Schulstunden-Aufwand aus und bedarf nur weniger Schulungen. Da es ­die Lehrer selbst sind, die befähigt werden, ist für eine langfristige Umsetzung in vielen Schülerjahrgängen gesorgt. Die Intervention ist zusätzlich einfach multiplizierbar: von fortgebildeten Lehrern in das Kollegium einer Schule und so langfristig in mehrere Schülerjahrgänge. ­Die inhaltliche Einbindung in die Lehrpläne (Bayern/Baden-Württemberg) macht sie unabhängig von personellen und finanziellen Möglichkeiten einer Schule. Aktuell wird die Intervention zusätzlich im Landkreis Günzburg mit 47 Klassen umgesetzt. «Komm mit in das Gesunde Boot-Grundschule» ist die Erweiterung des ursprünglichen URMEL-ICE-Projektes. 400 Klassen in ganz Baden-Württemberg haben im vergangenen Schuljahr bereits daran teilgenommen.

Erfahrungen

Welche Erfahrungen konnten Sie mit URMEL-ICE machen? Sind erste Ergebnisse messbar?

Susanne Brandstetter: Die URMEL-ICE-Intervention erzielte mit positiven Effekten auf ­die Körperzusammensetzung der Kinder einen nachweisbaren Nutzen. Die Wirksamkeit der ­Intervention wurde bei 1 420 Schülern aus 64 Klassen in Ulm/Neu-Ulm überprüft. Nach der einjährigen Interventionsphase im zweiten Schuljahr konnten positive Effekte sowohl auf den Bauchumfang als auch auf die Hautfaltendicke gezeigt werden.