Inhalt

Projekt: Psychologische Nothilfe bei der Kantonspolizei St. Gallen, Jahr: 2013

Projekttitel

Psychologische Nothilfe bei der Kantonspolizei St. Gallen

Setting

Betriebe / Arbeitsplatz

Zielgruppe

Mitarbeiterinnen / Mitarbeiter

Ort/Land

St. Gallen, (CH )

Jahr

2013

Projektträger

Kantonspolizei St. Gallen

→ Link zum Projekt Projektleitung

Felix P. Helbling
+41 (0)58 229 33 72

→ felix.helbling@kapo.sg.ch
Projektleiter Felix P. Helbling Logo Kantonspolizei St. Gallen Projektlogo "Peers"
Schwerer Unfall auf einer Bergstrasse,die Rettungsdienste sind im Einsatz. Schwerer Autounfall,Rettungskräfte bergen die Passagiere des Fahrzeugs.

Psychologische Nothilfe bei der Kantonspolizei St. Gallen

In der Polizeiarbeit sind belastende Ereignisse nicht selten und können seelische Folgen haben. Das Nothilfe-Projekt kann bei der Vorbeugung helfen.

Mitarbeitende, die einem belastenden Ereignis ausgesetzt waren, können eventuell die seelischen Folgen dieser Eindrücke nicht selbständig verarbeiten. Langfristig kann sich ein solches Erlebnis negativ auf die Zufriedenheit, Gesundheit, Arbeitsfähigkeit, aber auch auf das Privatleben auswirken. Es geht also darum, den Mitarbeitenden eine abgestufte psychologische Nothilfe zur Verarbeitung von belastenden Erlebnissen anzubieten und dabei primär Kolleginnen und Kollegen mit erweiterten psychologischen Kenntnissen (sog. Peers) einzusetzen. Diesen wird zur Lösung von fachlichen Fragestellungen der Kontakt zu einer externen Fachberatung sichergestellt und in besonderen Fällen oder auf Wunsch wird ein Seelsorger beigezogen. In schwerwiegenderen Fällen wird eine Beratung bei externen Fachleuten empfohlen.

„Die Betreuung durch einen Therapeuten wird aus Scham vor der eigenen Situation abgelehnt. Demnach sind Vertrauenspersonen gefragt, welche die beruflichen Belastungen aus eigener Erfahrung kennen. Hier setzt die Arbeit der Peers ein.“
Ausgangslage

Warum haben Sie das Projekt ins Leben gerufen?

Felix P. Helbling: Polizistinnen und Polizisten sind häufig belastenden Situationen ausgesetzt. Darüber mit Angehörigen zu sprechen ist oft aus Gründen des Amtsgeheimnisses erschwert oder gar nicht möglich. Die Betreuung durch einen Therapeuten wird aus Scham vor der eigenen Situation abgelehnt. Demnach sind Vertrauenspersonen gefragt, welche die beruflichen Belastungen aus eigener Erfahrung kennen. Hier setzt die geschätzte Arbeit der Peers ein.

Ziele

Welche Ziele erreichen Sie mit dem Projekt?

Felix P. Helbling: Die Unterstützung von Arbeitskolleginnen und -kollegen bei beruflichen und/oder privaten psychischen Belastungen, die Betreuung von Arbeitskolleginnen und -kollegen in schwerwiegenden Krisensituationen im Zusammenhang mit der Dienst­ausübung, die Betreuung von deren Angehörigen, die Unterstützung von Einsatzleitern bei Einsatzbesprechungen, die Sichtung des Einsatzjournals während des Pikettdienstes und die proaktive Kontaktaufnahme mit Einsatzleitern, Vorgesetzten und/oder möglichen Betroffenen.

Methoden

Wie arbeiten die Peers und wie sind sie ausgebildet?

Felix P. Helbling: Peers sind Mitarbeitende der Polizei, die in psychologischer Nothilfe, Um­gang mit Traumata sowie Wahrnehmung und Kommunikation weitergebildet werden. Die Peers gewährleisten eine kameradschaftliche, niederschwellige und sofortige Hilfe. Die Krisenintervention der Peers setzt situativ während oder nach einem belastenden Ereignis ein. Ziel ist es, mit Hilfe der Peers und bei Bedarf externen Fachpersonen das seelische und körperliche Wohlbefinden betroffener Mitarbeitender wieder herzustellen.

Finanzierung

Wie finanziert die Kantonspolizei St. Gallen dieses Projekt?

Felix P. Helbling: Die Finanzierung erfolgt vollumfänglich durch die Kantonspolizei St. Gallen. Es existiert keine Trägerschaft.

Erfahrungen

Wie vielen Mitarbeitenden konnten die Peers bereits helfen?

Felix P. Helbling: Die Auswertung des ersten Jahres der Umsetzung ergab knapp 160 Peerseinsätze (bei einem Personalkörper von rund 780 Mitarbeitenden). Dabei wurden von einfachen Gesprächen bis zur qualifizierten Begleitung alle Stufen der Betreuung in Anspruch genommen. Aufgrund der immer anspruchsvolleren und oft auch belastenden Tätigkeit unserer Mitarbeitenden sowie der sich verändernden Gesellschaft mit zunehmender Gewaltbereitschaft dürften die Fälle in den nächsten Jahren eher zunehmen.