Inhalt

Projekt: Mobbingberatungsstelle Liechtenstein, Jahr: 2016

Projekttitel

Mobbingberatungsstelle Liechtenstein

Setting

Betriebe / Arbeitsplatz

Zielgruppe

Bevölkerung allgemein

Ort/Land

Triesen, (FL)

Jahr

2016

Projektträger

LANV Liechtensteinischer ArbeitnehmerInnenverband

→ Link zum Projekt Projektleitung

Martina Haas
+423 399 38 38

→ m.haas@lanv.li
Projektleitung "mobbingberatung-liechtenstein" Projektlogo "mobbingberatung-liechtenstein"
Cover des Mobbing-Ratgebers Medienapero, Erster Mobbingratgeber für Liechtenstein, Restaurant Linde in Schaan, Bild aufgenommen am 11.06.2015. Martina Haas (links) und Claudia Heeb-Fleck (rechts). FOTO & COPYRIGHT: TATJANA SCHNALZGER

Mobbingberatungsstelle Liechtenstein

Aufklärung und Beratung zur Vorbeugung von Mobbing und damit verbundenen Auswirkungen

Gemäß einer in der Schweiz durchgeführten Studie gibt es keine bedeutenden Unterschiede betreffend Mobbing bezüglich Geschlecht, Alter, Bildung oder beruflicher Position. Es wurde aber festgestellt, dass Ausländer/-innen doppelt so häufig gemobbt werden wie Schweizer/-innen. Ein brisantes Ergebnis, wenn man bedenkt, wie hoch der Ausländeranteil von Beschäftigten in Liechtenstein ist. Mobbing hat massive psychische und körperliche Auswirkungen auf die Opfer und verursacht hohe Folgekosten auf persönlicher, betriebswirtschaftlicher (Arbeitsausfälle, Fluktuation) und staatlicher Ebene (Gesundheitskosten). Mit Aufklärung und Beratung kann dem vorgebeugt werden. Bislang fehlte jedoch eine Mobbingfachstelle in Liechtenstein. So wurde mit der Planung dieses Projektes und der Realisierung einzelner Teilbereiche 2013 begonnen. Durch die bisher umgesetzten Projekte (Umfrage, Seminar, Ratgeber, Beratungen) wurden gut 350 persönliche Kontakte geknüpft. Das Projekt ist zeitlich nicht begrenzt und nachhaltig geplant.

„Durch Sensibilisierung der Öffentlichkeit haben wir erreicht, dass Mobbing kein Tabuthema mehr ist. Auf die Mobbingberatungsstelle sind wir stolz.“
Ausgangslage

Wie entstand die Idee, eine Mobbingberatungsstelle ins Leben zu rufen?

Martina Haas: Eine Schweizer Studie zeigte, dass Ausländer/-innen doppelt so häufig gemobbt werden wie Schweizer/-innen – ein Ergebnis, das mit Blick auf die Besonderheiten des liechtensteinischen Arbeitsmarktes besonders relevant ist. In Liechtenstein sind über die Hälfte der Beschäftigten Zupendler; bei Personen, die in Liechtenstein wohnen und arbeiten, liegt der Ausländeranteil bei 19 %. Daher ist davon auszugehen, dass in Liechtenstein die Zahl der Mobbingopfer und die damit verbundenen Folgekosten auf persönlicher, betriebswirtschaftlicher (Arbeitsausfälle, Fluktuation) und staatlicher Ebene (Gesundheitskosten) beachtlich sind. Eine Mobbingfachstelle in Liechtenstein fehlte bisher jedoch.

Ziele

Was für ein Ziel stand für Sie im Vordergrund?

Martina Haas: Wir bieten mit der Fachstelle professionelle Beratung und lösungsorientierte Begleitung an. Die Beratungsstelle ermöglicht allen in Liechtenstein wohnhaften und/oder beschäftigten Menschen einen niederschwelligen Zugang zur Lösungsfindung bei Problemen rund um Mobbing. Wir gewähren eine kooperative Vernetzung der verschiedenen vorhandenen Anlaufstellen, vor allem in Bezug auf eine professionelle psychologische oder psychotherapeutische Begleitung. Ebenso helfen wir Arbeitgebenden, Arbeitnehmervertretungen und/oder HR-Fachpersonen bei der Konfliktbearbeitung und Lösungsfindung.

Methoden

Wie wurde das Projekt konkret in die Realität umgesetzt?

Martina Haas: Im Jahr 2013 haben wir gemeinsam mit der Informations- und Kontaktstelle für Frauen (Infra) eine Umfrage zu Sozialkapital und Mobbing unter unseren Mitgliedern durchgeführt und die Ergebnisse öffentlich vorgestellt. Ich habe eine einwöchige Weiterbildung als Mobbingberaterin in Wien absolviert. 2014 haben wir ein Mobbingseminar für interessierte Arbeitnehmer/-innen, Arbeitnehmervertretungen (Betriebsräte) und für Arbeitgeber/-innen angeboten. Im Juni 2015 erschien der erste Mobbingratgeber Liechtensteins. Seit Dezember 2015 hat die Mobbingberatungsstelle eine eigene Telefonnummer und ist von Montag bis Freitag erreichbar. Logo und Homepage sind derzeit in Bearbeitung.

Finanzierung

Wie wurde das Projekt finanziert?

Martina Haas: Die Kosten der erbrachten Arbeitsleistungen des LANV trägt der Verband. Gemäß Leistungsvereinbarung besteht für den LANV die Möglichkeit, finanzielle Mittel für den Aufbau einer Mobbingberatungsstelle als Sonderprojekt bei der Regierung zu beantragen. Alternativ versuchen wir das Projekt mit Sponsoren (Stiftungen) zu finanzieren. Ein kleiner Teil der Kosten wurde mit dem Verkauf des Ratgebers sowie durch Einnahmen der Seminarkosten abgedeckt. Wir haben im März 2016 mit unserem Projekt zudem den Chancengleichheitspreis 2016 in Liechtenstein gewonnen. Das Preisgeld von CHF 15'000 können wir wiederum in das Projekt investieren.

Erfahrungen

Welche Erfahrungen haben Sie bisher gemacht?

Martina Haas: Wir konnten bisher alle Ideen und gesteckten Ziele erfolgreich umsetzen. Wir wurden unterstützt von Netzwerk- und Sozialpartnern sowie von Sponsoren. Wir haben von unterschiedlichsten Seiten viele positive Rückmeldungen erhalten. Der Ratgeber ist uns und vielen Arbeitnehmervertretungen (Betriebsräten) eine besonders wertvolle Stütze. Durch Sensibilisierung der Öffentlichkeit haben wir erreicht, dass Mobbing kein Tabuthema mehr ist. Auf die Mobbingberatungsstelle sind wir stolz. Das Projekt hat sich vollumfänglich gelohnt. Die soziale und ökonomische Nachhaltigkeit wird sich auch außerhalb des Projektes manifestieren, kann jedoch nicht evaluiert werden.

PechaKucha-Präsentation im Rahmen des IBK-Studientags für Gesundheitsförderung und Prävention am 20. April 2016