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Projekt: Hörtexte für migrierte, funktionale Analphabetinnen in der Prostitution, Jahr: 2013

Projekttitel

Hörtexte für migrierte, funktionale Analphabetinnen in der Prostitution

Setting

Sonstige

Zielgruppe

Migrantinnen / Migranten

Ort/Land

Nürnberg, (B)

Jahr

2013

Projektträger

Gesundheitsamt Stadt Nürnberg und Kooperationspartner Kassandra e.V.

→ Link zum Projekt Projektleitung

Andrea Weppert
+49 (0)911 231 3069, +49 (0)911 231 2541 (Dienstag und Donnerstag)

→ andrea.weppert@stadt.nuernberg.de
Projektleiterin Andrea Weppert Projektlogo "In Schwung"
Zeichnung einer Frau,die sich in ein Auto beugt Auszug aus einer fremdsprachigen Broschüre

Hörtexte für migrierte, funktionale Analphabetinnen in der Prostitution

Prostitution erhöht das Rsisiko von sexuell übertrag­baren Infektionen und AIDS. Aufklärung und Prävention bei Frauen ohne Sprachkenntnisse ist schwierig. Hier setzt das vorgestellte Projekt an.

Die AIDS/STI-Beratungsstelle im Gesundheitsamt leistet Prävention von sexuell übertrag­baren Infektionen und AIDS bei Menschen mit „besonderen Infektionsrisiken“ (sh. §19 IfSG). Kassandra e.V. ist eine Beratungsstelle für Prostituierte mit einem Schwerpunktauftrag im gleichen Sektor. Beide Stellen arbeiten eng verzahnt. Prävention wird u.a. geleistet durch aufsuchende Arbeit unter Einbezug von kulturellen Mediatorinnen an Orten der Prostitution, ggf. Grundbildung von Prostituierten am Arbeitsplatz, Bewerbung der anonymen und kosten­losen Sprechstunden im Gesundheitsamt, ärztliche Sprechstunden in Bordellbetrieben, Untersuchung und ggf. Behandlung von STI, Durchbrechen von Infektionsketten, Impfungen, Empowerment, Vermittlung von Durchsetzungsstrategien gegenüber Kunden, Gewaltprävention.

„Seit 2010 wurden in Nürnberg ca. 400 Tonträger an Prostituierte weitergegeben. Eine Resonanz in der Beratungsarbeit und Zulauf in der Sprechstunde in der AIDS/STI-Beratungsstelle ist deutlich spürbar.“
Ausgangslage

Weshalb haben Sie dieses Projekt lanciert?

Andrea Weppert: Die Streetworkerinnen von Kassandra e.V. und der AIDS/STI-Beratungsstelle des Gesundheitsamtes stellten in den Jahren nach den letzten EU-Osterweiterungen im Jahr 2007 fest, dass zunehmend auch Analphabetinnen bzw. funktionale Analphabetinnen aus Südosteuropa in die Prostitution migrieren. Analphabetinnen waren bislang in der Sexarbeit nur aus Thailand bekannt. Mit den üblichen Printmaterialien können Menschen, die nicht einmal ihre eigene Sprache lesen können, nicht erreicht werden.

Ziele

Welche Ziele verfolgen Sie mit dem Projekt?

Andrea Weppert: Wir verfolgen folgende Ziele: Prävention von AIDS/STI (sexually transmitted infections, Track 3: Information zu AIDS/STI-Schutzmöglichkeiten, Track 4: Intimhygiene, Track 5: richtige Kondombenutzung) und Gewalt (Track 6: sicheres Arbeiten), Vermittlung von Informationen über anonym und kostenlos nutzbare medizinische Angebote und von Information über die gesetzliche Lage in der BRD (was ist legal, was nicht, Steuer, Krankenversicherungspflicht etc.) sowie von relevanten Adressen für Prostituierte in der BRD.

Methoden

Wie erreichen Sie die Analphabetinnen?

Andrea Weppert: Wir erreichen diese Frauen mit gesprochenen Informationen in der jewei­ligen Muttersprache bzw. mit einer Aufnahme im Tonstudio eines 60-minütigen Hörtextes in Rumänisch, Bulgarisch und Thai mit wichtigen Informationen und Adressen von Gesundheitsämtern, Prostituierten-Beratungsstellen und Anlaufstellen für Opfer von Gewalt. Streetworkerinnen und kulturelle Mediatorinnen geben CD-Roms und/oder mp3-Dateien an die Prostituierten weiter, die nicht oder nicht gut lesen können. Die Hörtexte werden auch von anderen Beratungsstellen genutzt, die im gleichen Sektor arbeiten.

Finanzierung

Wie finanzieren Sie das Projekt?

Andrea Weppert: Die Nutzung des Tonstudios von Radio Z ist kostenlos und die Übersetzungen werden zum Teil ehrenamtlich ausgeführt. Die grafische Erstellung des CD-Covers inkl. Piktogrammen, die auf den Inhalt des jeweiligen Tracks hinweisen, wird kostenlos vom Bundesverband Alphabetisierung, Münster, durchgeführt. Einen finanziellen Zuschuss in der Höhe von 1.525 Euro erhalten wir vom Nürnberger Initiativtopf. Die gesamten Kosten belaufen sich lediglich auf 2.800 Euro. Die anderen Beratungsstellen erhalten die Aufnahmen für einen Unkostenbeitrag von 75 Euro pro Sprache.

Erfahrungen

Konnten Sie die betroffenen Frauen mit den Hörtexten erreichen? Können Sie von Ergebnissen berichten?

Andrea Weppert: Seit dem Jahr 2010 wurden in Nürnberg ca. 400 Tonträger an Prostituierte aus den jeweiligen Ländern weitergegeben. Eine Resonanz in der Beratungsarbeit (unter Einbezug von kulturellen Mediatorinnen) und Zulauf in der Sprechstunde in der AIDS/STI-Beratungsstelle im Gesundheitsamt ist deutlich spürbar. 16 Beratungsstellen für Prostituierte und Gesundheitsämter bundesweit haben Kopien des CD-Rohlings und der mp3-Datei bestellt. Ende 2012 wurden die Hörtexte auch in Ungarisch produziert.