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Projekt: Frühe Hilfen für Kinder und Familien, Jahr: 2010

Projekttitel

Frühe Hilfen für Kinder und Familien

Setting

Familien / Wohnraum

Zielgruppe

Kinder

Erwachsene

Ort/Land

Bregenz, (A )

Jahr

2010

Projektträger

Amt der Vorarlberger Landesregierung

→ Link zum Projekt Projektleitung

Mag. Barbara Hämmerle
+43 (0)5574 511 24157

→ barbara.haemmerle@vorarlberg.at
Projektleiterin Mag. Barbara Hämmerle Logo Jugendwohlfahrt Vorarlberg
Baby- und Männerfüße beim gemeinsamen Laufen Vater mit Kleinkind auf dem Arm

Frühe Hilfen für Kinder und Familien

Pilotprojekte in vier Vorarlberger Bezirken (Bregenz, Dornbirn, Feldkirch, Bludenz), um Eltern mit Beginn einer Schwangerschaft bis etwa zum Ende des zweiten Lebensjahres eines Kindes zu unterstützen. Dazu gehören das Projekt «Eine Chance für Kinder», das Projekt «Netzwerk Familie» sowie das Projekt «Babyfon».

Frühe Hilfen sind präventiv ausgerichtete Unterstützungs- und Hilfeangebote für Eltern ­mit Beginn einer Schwangerschaft bis etwa zum Ende des zweiten Lebensjahres eines Kindes.­ Zur Zielgruppe gehören vorwiegend Eltern in belastenden Lebenssituationen mit geringen Bewäl­tigungsressourcen aber auch Berufsgruppen aus Gesundheits- und Sozialwesen, die mit ­diesen Eltern und Kindern in Kontakt treten. Im Rahmen der drei Teilprojekte arbeiten Gesundheitswesen und Sozialbereich eng zusammen und kooperieren im Sinne des Kindes­­wohls. Damit wird sichergestellt, dass konkrete Hilfe und Unterstützungsleistungen tat­sächlich bei den Familien ankommen und fachlich qualifizierte Ansprechpersonen ohne grosse Barrieren zur Verfügung stehen.

„Familien werden frühzeitig erreicht, meist noch vor manifesten Krisen.“
Ausgangslage

Warum hat ein Angebot wie das von «Frühen Hilfen» in Vorarlberg noch gefehlt?

Mag. Barbara Hämmerle: In der Vorarlberger Soziallandschaft gibt es eine Reihe ­von Einrichtungen, die mit ihren Fachleuten ein breites Angebotsspektrum abdecken können. Manche Eltern in belastenden Lebenssituationen haben Schwierigkeiten, diese Hilfe aus Eigeninitiative heraus in Anspruch zu nehmen. Auf der anderen Seite stehen Berufs­gruppen, die mit Eltern und Kindern zu einem frühen Zeitpunkt in Kontakt treten, wie Krankenschwestern auf den Geburtenstationen, der Herausforderung gegenüber, eine potentielle Risikosi­tuation in der Familie richtig einzuschätzen und die passende fachliche Ansprechperson zu finden. Mit dem Projekt «Frühe Hilfen» stellen wir Eltern und Mitarbeitende im Gesundheitswesen ein Hilfsangebot und Sicherheitsnetz zur Verfügung und intensivieren die Zusammenarbeit zwischen Sozialbereich und Gesundheitswesen.

Ziele

Drei Pilotprojekte laufen jetzt seit 2009 in vier Vorarlberger Bezirken. Welches gemeinsame Ziel verfolgen die Projekte?

Mag. Barbara Hämmerle: Familien sollen frühzeitig erreicht und ihnen Unterstützung angeboten werden, bevor manifeste Krisen entstehen können. Durch diese sehr früh erlebten positiven Erfahrungen mit Unterstützungsleistungen die freiwillig in Anspruch genommen wurden, greifen Familien auch später eher wieder auf ein Hilfssystem zurück. Dazu ist es wichtig, dass Vertreter und Angehörige des Gesundheitswesens sensibilisiert und in der Wahrnehmung beziehungsweise im Ansprechen möglicher Risiko- und Belastungsfaktoren geschult werden, um die Familien in belastenden Lebenslagen an kompetente und fachlich qualifizierte Ansprechpersonen vermitteln zu können. So kommt konkrete Hilfe und Unterstützungsleistung auch tatsächlich bei den Familien an. Das schaffen wir auch durch eine Verschränkung des Gesundheits- und Sozialwesens und einer Optimierung der Schnittstellenfunktionen.

Methoden

Können Sie uns von konkreten Herangehensweisen aus den Projekten erzählen?

Mag. Barbara Hämmerle: Am Landeskrankenhaus Bregenz werden beispielsweise ­während des Aufenthaltes im Rahmen von «Eine Chance für Kinder» mittels eines Fragebogens belastende Lebenssituationen eruiert. Bei Bedarf werden die Familien weitervermittelt. «Netzwerk Familie» sensibilisiert über Informationsveranstaltungen oder Fortbildungen ­betroffene Berufsgruppen und stellt eine Anlaufstelle für Familien dar. In Gesprächen mit den Betroffenen wird deren Unterstützungsbedarf definiert und entsprechende Hilfen werden in die Wege geleitet. Im Rahmen des Projekts «Babyfon» wurde unter anderem eine Hotline eingerichtet, bei der Eltern rasche und kompetente Hilfe bekommen. Auf der Geburtenstation des Landeskrankenhauses Bludenz ist eine qualifizierte «Brückenschwester» als Ansprechperson für Eltern tätig.

Finanzierung

Wie bewerten Sie die Kosten-Nutzen-Relation dieser Herangehensweise?

Mag. Barbara Hämmerle: Präventionsmaßnahmen in der frühen Kindheit und bei Kindern aus sozial benachteiligten Herkunftsmilieus sind laut internationalen Studien als wirksam einzuschätzen. Ein Engagement in der frühen Kindheit kann beispielsweise dazu führen, dass später weniger Hilfeleistungen benötigt werden. «Frühe Hilfen»stellen eine Investition in die Zukunft dar und tragen zu einer höheren Lebensqualität der Familien bei.

Erfahrungen

Nun konnten Sie in den letzten zwei Jahren einige Erfahrung sammeln. Hat das Projekt Zukunftspotenzial?

Mag. Barbara Hämmerle: Ja, auf alle Fälle. In Österreich gibt es bisher noch wenige ­Projekte und Initiativen zum Thema «Frühe Hilfen». Das Land Vorarlberg nimmt daher bei ­­der Unterstützung der «Frühen Hilfen» eine Vorreiterrolle ein. Die Erfahrungen, die während ­der Pilotphase (2009–2010) in den verschiedenen Projekten erzielt wurden, sind für die Weiterentwicklung bzw. für die Etablierung eines einheitlichen landesweiten Modells von entscheidender Bedeutung. Geplant sind ab dem Jahr 2011 eine Implementierung ins Regelsystem und eine fixe Verankerung der «Frühen Hilfen» in der Soziallandschaft Vorarlbergs.