Inhalt

Projekt: Der aktivierende Hausbesuch, Jahr: 2010

Projekttitel

Der aktivierende Hausbesuch

Setting

Familien / Wohnraum

Zielgruppe

Seniorinnen / Senioren

Ort/Land

Tübingen, Deutschland (D), (BW)

Jahr

2010

Projektträger

Landratsamt Tübingen, Abteilung Gesundheit

→ Link zum Projekt Projektleitung

Monika Firsching
+49 (0)7071 207 3363

→ s.paap@kreis-tuebingen.de
Projektleiterin Monika Firschung Logo Landkreis Tübingen
Eine ältere Frau,die mit einer anderen Gymnastikübungen mit Ringen macht Eine ältere Frau,die mit einer anderen Gymnastikübungen mit Ringen macht

Der aktivierende Hausbesuch

Bewegungsübungen und Gespräche bei Menschen, die ihr Zuhause nicht mehr selbstständig verlassen können

Ausgebildete Mitarbeiter/innen des Deutschen Roten Kreuz (DRK) machen Hausbesuche in den Wohnungen von Menschen, die ihr Zuhause nicht mehr selbstständig verlassen, entsprechende Angebote vor Ort nicht wahrnehmen können und trotzdem am Erhalt ihrer Beweglichkeit arbeiten wollen. Diese Menschen sind in der Regel hochaltrig und multimorbid. Der Aktivierende Hausbesuch besteht aus einer Mischung von zirka 30 Minuten angeleiteter und begleiteter körperliche Aktivierung (den Bedürfnissen des Besuchten angemessen) und etwa 30 Minuten Gespräch, das sich häufig um gesundheitliche Themen bewegt. Das Angebot ist für alle Teilnehmenden bezahlbar.

„Die Mischung aus Aktivierung und Gespräch scheint extrem positive Komponenten für den ganzen Menschen zu enthalten.“
Ausgangslage

Was hat Sie bewogen dieses Angebot in Tübingen zu schaffen?

Monika Firsching: Es gab bis jetzt im Landkreis keine gesundheitsfördernden Angebote, die hochaltrige und multimorbide Menschen erreichten. Das heißt, diese Senior/innen können ihre Wohnungen nicht mehr eigenständig verlassen. Eine Expertenbefragung ergab, dass fehlende körperliche Aktivität und Isolation als wesentliche krankmachende Faktoren eingestuft werden. Daher wollten wir ein Angebot schaffen, das sich genau dieser Faktoren annimmt.

Ziele

Mit welcher Zielsetzung wurde das Projekt «Aktivierender Hausbesuch» ausgelegt?

Monika Firsching: Wir wollten ein aktivierendes Angebot für Seniorinnen und Senioren schaffen, das für alle Teilnehmenden bezahlbar ist. Der «Aktivierende Hausbesuch» begegnet den Problemfeldern Einsamkeit und Bewegungsmangel mit einer Kombination aus Bewegungsübungen und Gespräch. Die speziellen Anforderungen von Gesundheitsförderung im Alter werden einbezogen. Im Gespräch werden gesundheitsförderliche Informationen gegeben. Der «Aktivierende Hausbesuch» leistet einen deutlichen und merkbaren Beitrag zum Wohlbefinden und zur Lebensqualität der Besuchten. Durch die Übungen wird die Bewegungssicherheit gefördert und Alltagshandlungen fallen leichter.

Methoden

Wie sind Sie an die Umsetzung herangegangen?

Monika Firsching: Aus einer Expertenbefragung wurden wesentliche Elemente von Ge­sundheitsförderung im Alter abgeleitet und dann im Projekt umgesetzt. Besonders der ganzheitliche Ansatz des Projekts zeigt positive Wirkung: Die Mischung aus Aktivierung und Gespräch scheint extrem positive Komponenten für den ganzen Menschen zu enthalten. Im Unterschied zu anderen Hausbesuchskonzepten wollen wir mit unserem Angebot nicht beraten, sondern begleiten und aktivieren.

Finanzierung

Die Bezahlbarkeit des Angebots ist ja ein Ziel des Projekts. Wie gestaltet sich daher die Finanzierung für das Projekt?

Monika Firsching: Das Projekt ist ein gemeinsames Konzept der Abteilung Gesundheit/LRA Tübingen (Projektidee-Bedarf/Steuerung/med. Begleitung/Evaluation) und dem Kreisverband DRK Tübingen (Träger der Maßnahmen). Der «Aktivierende Hausbesuch» kostet 10 Euro pro Besuch. Dieser günstige Preis entsteht durch ortsnahen Einsatz der Mitarbeiterinnen und dadurch, dass das DRK die Infrastruktur erbringt. Menschen, die über wenig Einkommen verfügen, zahlen anteilig ihrer finanziellen Möglichkeiten bis hin zur kostenlosen Teilnahme. Der sichtbare Nutzen, der durch die Evaluation belegt wird, ist hoch. Außerdem scheinen für diese Zielgruppe individuelle Angebote und Kontakte der beste Zugang zu sein.

Erfahrungen

Was können Sie über den Verlauf dieses Projekts berichten?

Monika Firsching: Das Projekt erfreut sich großer Akzeptanz. Durch eine gute Vernetzung vor Ort werden Strukturen (Hausärzte/soziale Dienste) aufgebaut, die Senior/innen zu diesem Angebot führen. Angesichts der prekären Situation der Zielgruppe erscheint der «Aktivierende Hausbesuch» als ein viel versprechendes Mittel, ein nützliches aktivierendes Angebot in der Fläche umzusetzen. Das Projekt ist auf Dauer angelegt: Das heisst, die Senior/innen können solange teilnehmen wie sie wollen und auch in der Lage sind, dies bewusst zu entscheiden. Zunehmende Hochaltrigkeit und der Wunsch der Menschen, sich ihre Selbständigkeit zu erhalten und möglichst lange zu Hause zu bleiben machen das Projekt für alle Stadt- und Landkreise interessant. Potenzielle Träger, wie das DKR oder Sportvereine, stehen überall zur Verfügung und widmen sich zunehmend der Aktivierung im Alter. Das Projekt ist einfach zu übernehmen und entsprechend der Situation vor Ort anzupassen.